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Veröffentlicht am 10. Juli 2026

Bundesrat Albert Rösti zum Grimseltunnel: "Wollen Sie sich ein Denkmal setzen, Herr Bundesrat Rösti?"

Verkehrsminister Albert Rösti erklärt, warum er den Grimseltunnel zu den prioritären Bahnprojekten zählt.

CH Media, 10.07.2026

Interview von Stefan Bühler

Der Grimseltunnel zwischen dem Berner Oberland und dem Obergoms im Wallis zählt zu den prioritären Bahnprojekten. Gleichzeitig platzen die Bahnhöfe im Mittelland aus allen Nähten. Verstehen Sie, dass viele diese Prioritätensetzung für einen schlechten Witz halten?

Albert Rösti: Ich verstehe, dass zu diesem Projekt Fragen gestellt werden, auch kritische. Genau um solche Diskussionen zu führen, haben wir das Paket Verkehr’45 nun in die Vernehmlassung geschickt.

Wie hat es der Grimseltunnel überhaupt auf die Liste der wichtigsten sieben Ausbauvorhaben geschafft?

Ich nenne Ihnen drei Gründe: Erstens, weil er nur zusammen mit der unterirdischen Hochspannungsleitung realisiert wird und damit Infrastrukturen gebündelt werden können. Zweitens, weil der unabhängige ETH-Experte, Ulrich Weidmann, das Projekt als Chance für zwei ländliche Regionen mit touristischem Entwicklungspotenzial eingestuft hat.

Und drittens?

Weil wir neben den grossen Agglomerationsprojekten bewusst auch den ländlichen Raum berücksichtigen wollten. Doch grundsätzlich gilt: Das Projekt wird nur realisiert, wenn die Bündelung funktioniert, die Kosten im Rahmen bleiben und die beiden Kantone ein überzeugendes Entwicklungskonzept vorlegen.

ETH-Professor Weidmann schreibt, die Betriebskosten würden «sehr hoch» und der Tunnel werde nie eigenwirtschaftlich. Warum investieren Sie trotzdem in ein Defizitprojekt?

Der Regionalverkehr ist grundsätzlich nicht eigenwirtschaftlich. Entscheidend ist, ob man einer Region eine gute Erschliessung bieten will und ob sich das mit ihrem Entwicklungspotenzial rechtfertigen lässt. Mit dem Tunnel verbinden wir die zwei heute getrennten Schmalspurnetze der Schweiz, was touristisch interessant ist. Zudem erhält mit dem Grimseltunnel auch der ländliche Raum ein wichtiges Bahnprojekt.

Ist der Grimseltunnel also vor allem ein Projekt für die Abstimmung – damit auch die Bergkantone etwas im Paket haben?

Es braucht vor allem sachliche Gründe – wie das touristische und regionalpolitische Entwicklungspotenzial. Natürlich hilft ein ausgewogenes Gesamtpaket auch bei der Akzeptanz. Aber ich würde sicher keine 800 Millionen Franken allein aus abstimmungstaktischen Gründen investieren.

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh aus Zürich kritisiert, Tourismusförderung solle über andere Instrumente erfolgen und nicht über den Bahninfrastrukturfonds.

9 von 36 Milliarden Franken, die wir bis 2045 in den Bahnausbau investieren, fliessen nach Zürich, völlig zu Recht. Aber es ist wenig überzeugend, wenn nun ausgerechnet von dort der Grimseltunnel kritisiert wird. Wir brauchen ein ausgewogenes Paket für die ganze Schweiz.

Wollen Sie sich mit dem Grimseltunnel ein persönliches Denkmal setzen?

Ich will mir kein Denkmal setzen. Als Berner Oberländer kenne ich die Region zwar gut, das Grimselgebiet ist aber nicht meine Heimatregion. Wenn überhaupt, habe ich mich immer besonders für den Durchgangsbahnhof Luzern eingesetzt, weil dort ein bedeutender Engpass im Schweizer Bahnnetz besteht.