Sommermedienanlass: Klimaaktivisten stören Röstis Ausflug (Tages-Anzeiger, 02.07.2026)
Sommerspaziergang Der Bundesrat lädt einmal im Jahr zum Gespräch mit den Medien – diesmal waren auch Ungeladene dabei.
Tages-Anzeiger, 02.07.2026
Von Cyril Pinto
Gestern in Luzern: Als Bundesrat Rösti mit seinem Team und einer Gruppe von Medienleuten beim Bahnhof zu seinem traditionellen Sommerspaziergang losläuft, gesellen sich plötzlich Klimaaktivisten dazu. Sie entrollen ein Banner und schreien los. Mit Trillerpfeifen und goldenem Glitzer ausgerüstet, begleiten sie Rösti. Der lässt sich nicht irritieren. Nur die Polizei wird etwas nervös und ruft Verstärkung. Uniformierte schirmen den Bundesrat daraufhin ab. Ohne weitere Zwischenfälle kann Rösti im Verkehrshaus Luzern die wichtigsten Eckpunkte seiner Politik der nächsten Monate darlegen.
Zentral für ihn: die Abstimmung über das AKW-Neubauverbot. Wahrscheinlich im nächsten Februar werde der «indirekte Gegenvorschlag zur Blackout-Initiative» zur Abstimmung kommen. Der Uvek-Vorsteher betont, es bleibe die mittelfristige Strategie des Bundesrates, möglichst viel Strom aus Erneuerbaren zu produzieren. Der Bundesrat habe dafür mit dem Stromgesetz, den Beschleunigungsvorlagen für Produktion und Netze sowie der Ablehnung der Windschutzinitiativen bereits viel unternommen.
Gleichzeitig verteidigt Rösti die Öffnung der Kernkraft-Option. Es werde «nicht sofort irgendwo ein neues AKW gebaut», sagte er. Doch die Schweiz müsse technologieoffen bleiben.
«Intensive Diskussionen» über Stromreserven
Kurzfristig sieht Rösti die Stromversorgung trotz Hitze und möglicher Drosselungen von Kernkraftwerken nicht gefährdet. Die Versorgungssicherheit sei «aktuell gegeben», sagt er mit Verweis auf gut gefüllte Speicherseen und eine hohe Solarproduktion. Politisch umstritten bleibt aber ein geplanter Kredit für Reservekraftwerke. Der Bundesrat halte diese weiterhin für nötig. Ob es sie tatsächlich brauche, werde im Parlament jedoch «eine intensive Diskussion».
Ein wichtiges Dossier seien zudem neue genomische Verfahren in der Pflanzenzüchtung. Rösti grenzt diese von klassischer Gentechnik ab: Transgene Verfahren, also die Vermischung fremder Arten, sollen in der Schweiz weiter unter einem Moratorium bleiben. Bei der neuen Gentechnik gehe es dagegen um Veränderungen innerhalb einer Art oder um Eingriffe, «die in der normalen Evolution auch verändert werden könnten». Darin sieht Rösti Chancen für die Landwirtschaft.
Auch die künstliche Intelligenz verknüpft Rösti mit Standortpolitik und Stromversorgung. Die Schweiz werde 2027 in Genf eine internationale KI-Ministerkonferenz ausrichten. Ziel sei es einerseits, die Schweiz «als guten KI-Standort» zu präsentieren. Andererseits gehe es um Rahmenbedingungen für vertrauenswürdige KI. Rösti schlägt dabei erneut den Bogen zur Energiepolitik: Ein Innovationsstandort könne sich nur behaupten, wenn man garantieren könne, «dass wir auch in 20, 30 Jahren genügend Strom haben».
Zahlreiche Kinder, die im Verkehrshaus auf ihrem Schulausflug waren, wollen unbedingt ein Selfie mit Albert Rösti. Der erfüllt die Wünsche gerne: Nach ein paar Minuten geduldigen Wartens dürfen sie mit dem Medienminister aufs Foto.