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Publié le 21 août 2026

Albert Rösti und die Walliser Wasserkraft: «Es ist ein extrem harter Verhandlungspoker, das streite ich gar nicht ab»

Von Klimapolitik bis Wasserkraft: Bundesrat Albert Rösti warnt vor dem Aus des Gornerli-Projekts, äussert sich zu den Walliser Heimfällen und spricht über den Wiederaufbau von Blatten.

Walliser Bote, Pomona, 20.08.2026

Interview: Armin Bregy

Albert Rösti, hatten Sie eigentlich Ferien?

Ja, ich konnte einige Ferientage geniessen. Aber ab Mitte Juli, als der Regen ausblieb und es immer heisser wurde, hat mich die Situation natürlich stark beschäftigt.

Ihnen wurde vorgeworfen, Sie würden zu wenig gegen die Hitze und für den Klimaschutz tun. Lisa Mazzone von den Grünen forderte, Sie sollen das Umweltdepartement abgeben.

Solche Angriffe gehören zum Politbetrieb. Sie beunruhigen mich nicht sonderlich. Ich habe die Fakten umgehend dargelegt. Die Vorstellung, der Bundesrat könne an einem heissen Nachmittag per Dekret das Wetter ändern oder spontan den Hitzeschutz neu erfinden, ist realitätsfremd. Was zählt, sind die langfristigen Strategien, die im Vorfeld erarbeitet wurden.

Zum Beispiel?

Wir unterstützen etwa Anpassungsprojekte von Städten und Siedlungen. Über das CO2-Gesetz können wir Massnahmen wie Begrünungen oder die Entsiegelung von Flächen unterstützen. Die konkrete Umsetzung liegt dann aber bei den Kantonen und Gemeinden.

Reicht das?

Auch für die Landwirtschaft haben wir Massnahmen ergriffen. Wir haben beispielsweise die Zölle auf Futtermittelimporte auf null gesetzt, damit die Versorgung gewährleistet bleibt. Die Armee hat mehr Wasser auf Alpen geflogen, wo es knapp wurde. Und wir arbeiten an einer nationalen Wasserstrategie. Es läuft also sehr viel, auch wenn nicht jede Massnahme sofort öffentlich wahrgenommen wird.

Müsste die Schweiz beim Klimaschutz nicht noch mehr machen?

Eine Regierung muss sich immer kritisch hinterfragen. Aber ich sage klar: Wir machen beim Klimaschutz bereits sehr viel. Wir haben das CO2-Gesetz, das Klima- und Innovationsgesetz und das Stromgesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien. Dazu kommt das Kreislaufwirtschaftsgesetz. In all diesen Bereichen arbeiten wir intensiv. Und wir sind bereits daran, zu definieren, was von 2030 bis 2040 geschehen muss.

Die Schweiz mit ihren knapp 0,1 Prozent an den globalen Treibhausgasemissionen hat kaum Einfluss auf das Weltklima. Handeln wir hier nicht vor allem für das eigene Gewissen?

Diesen Einwand kenne ich gut — und er ist rechnerisch nicht falsch. Die Schweiz allein wird das Weltklima nicht retten. Aber unsere Rolle ist eine andere: Wir müssen und können eine technologische Vorreiterrolle einnehmen. Wenn wir hier im Land Verfahren entwickeln, wie Industrieanlagen ohne fossile Brennstoffe betrieben werden können, schaffen wir Innovationen. Über unseren Technologiefonds unterstützen wir solche Entwicklungen gezielt. Und wenn diese Schweizer Innovationen anschliessend in alle Welt exportiert werden, ist der globale Hebel um ein Vielfaches grösser als unser eigener Inlandsausstoss. Das ist der echte Schweizer Beitrag. Deshalb reise ich auch an internationale Klimakonferenzen: Um dafür zu werben, dass andere, grössere Staaten ebenfalls mitziehen.

Was muss die Schweiz nach diesem Hitzesommer 2026 am dringendsten tun, um sich besser auf Hitze und Trockenheit vorzubereiten?

Wir müssen uns auf die Realität vorbereiten. Das Risiko durch Hitze ist extrem hoch — unsere Analysen zeigen klar, dass Hitze in der Summe mehr Menschenleben bedroht als etwa Bergstürze oder Murgänge. Daher müssen die Kantone und Gemeinden jetzt handeln.

In welchen Bereichen vor allem?

Erstens müssen wir besonders gefährdete, vulnerable Menschen besser schützen — ältere Menschen oder Personen mit Kreislaufproblemen. Gerade in Altersheimen und Spitälern braucht es entsprechende Massnahmen. Das ist mit relativ einfachen Mitteln möglich. Der zweite Bereich betrifft Anpassungsmassnahmen in der Landwirtschaft. Wir arbeiten etwa an einer Gesetzgebung zu neuen genomischen Verfahren.

Was heisst das?

Damit könnten Züchtungstechnologien entwickelt werden, um beispielsweise hitzeresistenteres Saatgut zu produzieren. Gleichzeitig müssen wir die Wasserversorgung verbessern. Diesen Sommer hat sich gezeigt, dass Investitionen in die Infrastruktur sinnvoll sind: Trotz höherer Temperaturen als in früheren Hitzesommern brauchte es weniger Helikopterflüge, weil viele Regionen besser vorbereitet waren. Diesen Weg müssen wir weitergehen — mit Bewässerungssystemen und Speicherseen. Interessant ist, dass Speicher, die ursprünglich für die Beschneiung gebaut wurden, im Sommer auch der Landwirtschaft helfen und zur Bewältigung von Trockenheit genutzt werden können. Es gibt Synergien, die wir nutzen können.

Die Landwirtschaft war beim Klimaschutz bisher eher skeptisch. Hat sich das nach diesem Sommer verändert?

Sie müssen differenzieren: Die Skepsis in den bäuerlichen Kreisen richtet sich nie gegen den Schutz der Umwelt, sondern gegen Vorschriften, welche die eigenständige Lebensmiittelproduktion gefährden. Wenn Ideologen fordern, man müsse die Fleisch- und Milchproduktion drastisch reduzieren, um CO2 zu sparen, trifft das die Existenz der Schweizer Landwirtschaft im Kern. Vor allem im Berggebiet wie dem Wallis: Dort kann man schlicht kein Getreide oder Gemüse anbauen — die Verwertung über Raufutterfresser wie Kühe und Schafe ist die einzig sinnvolle Nutzung. Ich stelle aber fest, dass man politisch etwas von der Vorstellung weggekommen ist, für den Klimaschutz direkt in die Produktion oder die Selbstversorgung einzugreifen.

Wenn die Schweiz aus den fossilen Energien aussteigen will, braucht sie mehr erneuerbaren Strom. Doch die 16 Projekte des Runden Tisches Wasserkraft stocken. Die Grande Dixence wurde von 1951 bis 1966 gebaut. In 14 Jahren steht heute nicht mal ein Baugespann. Warum ist es heute so schwierig, grosse Energieprojekte zu realisieren?

Mit dem Stromgesetz und dem Beschleunigungserlass haben wir Rahmenbedingungen geschaffen, die Investitionen erleichtern und die Verfahren beschleunigen sollen. Das Parlament hat beispielsweise beschlossen, dass Beschwerden bei solchen Projekten künftig nur noch an das Kantonsgericht weitergezogen werden können und nicht mehr ans Bundesgericht. Ich erwarte deshalb, dass wir jetzt vorwärtskommen. Ich würde Ihre These nicht unterschreiben, dass wir heute nicht mehr in der Lage sind, grosse Projekte zu realisieren. Aber wir müssen das jetzt beweisen. Und an die Umweltverbände und Kritiker appelliere ich: Wir können nicht den Ausstieg aus den Fossilen fordern und gleichzeitig jedes konkrete Wasserkraftprojekt blockieren.

Sie stehen zum Verbandsbeschwerderecht. Gleichzeitig sind Sie gegenüber den Umweltverbänden kritisch. Wie passt das zusammen?

Ich weiss, dass eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung die Möglichkeit einer rechtlichen Überprüfung will. Es macht deshalb wenig Sinn, dieses Recht abzuschaffen. Am Ende gäbe es wahrscheinlich ein Referendum. Bei einzelnen Projekten kann man durchaus das Gefühl haben, es wäre einfacher, wenn es dieses Recht nicht gäbe. Grundsätzlich glaube ich aber, dass unsere Landschaft ohne das Verbandsbeschwerderecht nicht so aussehen würde, wie sie heute aussieht.

Das grösste Wasserkraftprojekt der Schweiz — der Gornerli-Staudamm oberhalb von Zermatt — wird von der lokalen Bevölkerung auch kritisch hinterfragt. Wie wollen Sie die Zermatterinnen und Zermatter überzeugen?

Das Gornerli ist ein absolutes Schlüsselprojekt für die gesamte Schweiz. Es macht alleine rund ein Drittel der am runden Tisch angestrebten Winterstrom-Produktion aus. Wir müssen uns bewusst machen: Der Schweiz fehlt der Strom nicht im Hochsommer, sondern in den Monaten Februar, März und April. Genau in dieser kritischen Lücke brauchen wir Speicherseen, die auf Knopfdruck Strom liefern können. Wenn das Gornerli nicht gebaut wird, gerät das gesamte Gefüge des runden Tisches ins Wanken.

Umweltverbände, Bergführer und touristische Kreise befürchten grosse Eingriffe in die Landschaft. Diese Allianz hat Macht.

Ich habe grosses Verständnis dafür, dass vor Ort genau hingeschaut wird. Ein Bauprojekt dieser Grösse verändert eine Landschaft. Ich habe selbst Gespräche mit Bergführern und Vertretern der Region geführt. Es laufen sehr konstruktive Verhandlungen — etwa über einen Erschliessungstunnel. Niemand will, dass Zermatt Nachteile erleidet. Zudem wird oft vergessen: Die Staumauer Gornerli dient nicht nur der Stromerzeugung, sie bietet gleichzeitig einen Hochwasserschutz für die Gemeinde Zermatt.

Von den ursprünglich geplanten Projekten des runden Tisches werden nicht alle die erwartete Strommenge liefern. Statt zwei Terawattstunden dürfte nur etwa die Hälfte erreicht werden. Braucht es einen neuen runden Tisch?

Bei einzelnen Projekten gibt es technische Schwierigkeiten, bei anderen sind die Kosten so hoch, dass sich eine Investition wirtschaftlich nicht rechnet. Der Bund investiert diese Mittel nicht selbst. Wir haben deshalb festgestellt, dass bei einigen Projekten die Investitionsbereitschaft fehlt. Deshalb suchen wir auch nach anderen Möglichkeiten.

Der Kanton Wallis hat neun weitere Wasserkraftprojekte in die Vernehmlassung geschickt. Die Kritik der Umweltverbände war gross. Was sagen Sie zum Walliser Vorgehen?

Ich begrüsse das sehr. Man kann gar nicht genügend Projekte lancieren. Wenn wir tatsächlich die fossilen Energien ersetzen wollen, werden wir deutlich mehr Strom brauchen. Wir sprechen von ungefähr 20 Terawattstunden zusätzlichem Bedarf. Diese Grössenordnung ist wichtig zum Verständnis: Wir brauchen deutlich mehr Strom als heute. Deshalb bin ich froh über jedes Projekt, das geprüft und entwickelt wird.

Rund 30 Prozent der Schweizer Wasserkraftproduktion stammen aus dem Wallis. Könnte es eines Tages so weit kommen, dass der Bund über diesen «Walliser Rohstoff» entscheidet — wenn es eng wird und zu Interessenkonflikten kommen könnte?

Nein. Das Wasserregal ist ein Pfeiler unseres Föderalismus. Es ist nicht vorgesehen, dass der Bund hier eingreift oder gar die Wasserkraftwerke verstaatlicht. Der Bund soll nicht Strom produzieren. Der Bund muss die Rahmenbedingungen so setzen, dass private und kantonale Investoren einen Anreiz haben, in die Stromerzeugung zu investieren. Aber die Nutzung und die Erträge aus dem Wasser gehören den Kantonen und den Heimfall-Gemeinden. Das ist historisch gewachsen, verfassungsrechtlich verankert und absolut richtig so.

Es gibt aber politische Forderungen, dass der Bund mehr koordinieren soll. Wie weit soll diese Koordination reichen?

Bislang hat die Schweiz als Wasserschloss Europas im Wesentlichen genug Wasser, aber die zeitliche und regionale Verteilung verändert sich dramatisch. Im Moment schmelzen die Gletscher verstärkt, was kurzfristig sogar zu mehr Abfluss führt. Aber dieser Effekt wird abflachen. Wir erarbeiten deshalb auf Bundesebene eine nationale Wasserstrategie. Es geht nicht darum, den Kantonen die Wasserhoheit wegzunehmen — das ist und bleibt Aufgabe der Kantone. Aber der Bund muss bei extremer Knappheit Koordinationsmechanismen bereitstellen können. Wenn etwa im Unterlauf oder im grenznahen Ausland Engpässe entstehen, braucht es klare Vereinbarungen.

Im Wallis stehen die grossen Heimfälle an. Ein grosser Teil der Kraftwerke soll an Kanton und Gemeinden zurückfallen. Nun wird befürchtet, dass grosse Energieunternehmen wie Alpiq, Axpo oder BKW nicht mehr in die Anlagen investieren, wenn die Heimfälle ausgeübt werden. Wie lässt sich dieser Konflikt lösen?

Ein Stromkonzern wird nicht 200 Millionen Franken in die Erhöhung einer Staumauer investieren, wenn ihm die Anlage zehn Jahre später ohne Entschädigung entzogen wird. Die Lösung für dieses Dilemma liegt in den sogenannten Restwertvereinbarungen.

Wie könnte eine solche Restwertvereinbarung aussehen?

Der Betreiber investiert heute in ein neues Projekt — nehmen wir wieder das Gornerli, wo die Alpiq federführend ist. Der Kanton, die betroffenen Heimfall-Gemeinden und der Konzern einigen sich im Voraus vertraglich darauf, welchen finanziellen Restwert diese neue Investition zum Zeitpunkt des Heimfalls noch hat. Wenn die Gemeinden das Werk dann übernehmen, zahlen sie diesen definierten Restwert an den Konzern zurück. Damit hat das Unternehmen die Garantie, dass sein Investitionskapital nicht verloren ist — und die Gemeinden erhalten ein modernisiertes, funktionstüchtiges Kraftwerk.

Klingt auf dem Papier einfach. In der Praxis geht es aber um Milliardenbeträge und komplexe juristische Fragen.

Es ist ein extrem harter Verhandlungspoker, das streite ich gar nicht ab. Es geht um enorme Summen. Aber ich bin optimistisch. Alle Beteiligten wissen: Es ist eine Win-Win-Situation. Die Konzerne verdienen in den verbleibenden Jahren der Konzession gutes Geld mit dem Stromverkauf, und der Kanton erhält am Ende der Laufzeit eine erstklassige Infrastruktur.

Wie finden Sie diese Walliser Heimfallregelung eigentlich. 60 Prozent der Werke sollen ja künftig Walliser Hand sein.

Das Heimfallrecht ist in der Verfassung und in den Gesetzen verankert. Es ist ein gutes Recht des Kantons Wallis und seiner Gemeinden, zu sagen: «Das Wasser ist unser Rohstoff, und wir wollen die Kontrolle über die Wertschöpfung zurückhaben.» Wie die Kantone diese Heimfälle konkret ausgestalten, ist ihre eigene Sache — da gilt der Föderalismus. Aber ich will etwas nicht verschweigen.

Was?

Ich habe eine gewisse Befürchtung, dass wir nach den Diskussionen über den Naturschutz und die notwendigen Ausgleichsmassnahmen plötzlich bei der Heimfallregelung an einen kritischen Punkt kommen. Bisher wurde sehr viel über den Naturschutz gesprochen. Der Heimfall ist aber sicher ebenfalls eine der grossen Hürden.

Kann der Kanton Wallis diese Werke dereinst überhaupt selbst betreiben — und die Energie verkaufen? Es braucht viel Know-how dazu.

Es ist ja nicht morgen so weit. Der Kanton hat noch ein Jahrzehnt oder mehr, um diese Arbeiten vorzubereiten. Ich glaube deshalb, dass das möglich ist.

Kommen wir zum Wallis und zu den Naturgefahren. Nach dem Bergsturz von Blatten wurde teilweise infrage gestellt, ob das Dorf überhaupt wieder aufgebaut werden soll. Ist es richtig, Blatten wieder aufzubauen?

Ja, absolut. Bereits nach dem Ereignis in Blatten kam die Diskussion auf: Lohnt es sich überhaupt noch, in den Bergen zu leben? Müsste man sich langsam aus den Berggebieten zurückziehen? Ich habe damals gesagt: Wenn wir so argumentieren, müssten wir am Ende auch die Menschen aus den Städten zurückziehen, weil dort die Hitze zu einem grossen Problem wird. Oder wir müssten die Städte entlang grosser Flüsse aufgeben, weil dort Hochwasser droht. Für mich war diese Diskussion zynisch.

Aber die Kosten für Schutzbauten steigen massiv.

Wo ziehen Sie denn die Grenze? Wenn wir Blatten aufgeben, was machen wir dann als Nächstes? Geben wir Kandersteg auf, weil dort der Spitze Stein droht? Geben wir Bondo auf? Und wenn wir konsequent sind: Was machen wir mit den Städten im Mittelland, die an Flüssen liegen und bei einem Jahrhunderthochwasser Milliarden-Schäden erleiden können? Müssten wir dann die Berner Altstadt oder Teile von Zürich aussiedeln?

Sagen Sie's mir.

Es gehört zur Uraufgabe des Schweizer Staates, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen — egal, ob sie in einer Metropole oder in einem Seitental wohnen. Die Schweizer Solidarität unter den Regionen ist kein Auslaufmodell, sondern das Fundament unseres Zusammenhalts. Natürlich müssen wir genau hinschauen, wo wir bauen. Wir haben Gefahrenzonenpläne, und niemand darf in einer Roten Zone bauen, wo akute Lebensgefahr herrscht. Aber Blatten hat gezeigt, wie enorm die Eigenverantwortung und der Aufbauwille im Lötschental sind.

Ist der alpine Raum in Zeiten der Erwärmung womöglich sogar der Gewinner der Zukunft?

Das Berggebiet bietet eine enorme Lebensqualität. Wenn wir die Infrastruktur — von den Verkehrswegen über die Telekommunikation bis zum Schutz vor Naturgefahren — aufrechterhalten, ist das eine riesige Chance für die dezentrale Besiedlung der Schweiz. Und diese Besiedlung ist zwingend nötig, wenn wir ein Land mit über neun Millionen Einwohnern stabil und lebenswert gestalten wollen.

Sie sind vermutlich einer der Bundesräte, der in den vergangenen Jahren am häufigsten im Wallis war. Täuscht mein Eindruck?

Ich versuche, in allen Kantonen präsent zu sein. Meine Vorstellung einer guten Amtsführung ist, nahe bei den Menschen zu sein und möglichst viele Veranstaltungen zu besuchen, wenn ich eingeladen werde. Das ist zwar ein gewisser Aufwand, aber unterwegs kann man in der Regel auch arbeiten. Das Wallis ist mir als gebürtigem Kandersteger aber natürlich besonders nahe. Und natürlich gibt es als Bergler eine gewisse gemeinsame Identität. Mir ist klar, dass Oberwalliser und Berner Oberländer ihre Unterschiede haben. Aber die Prägung durch das Berggebiet ist doch ähnlich.

Und wann kommen Sie das nächste Mal ins Wallis? Schon bald, um die Zermatter vom Gornerli zu überzeugen?

Es wäre falsch, wenn der Bundesrat meint, er müsse die lokale Bevölkerung überzeugen. Ich helfe natürlich dort, wo ich gefragt werde, und informiere, wenn es gewünscht wird. Ich war bereits in Zermatt und habe Gespräche mit dem Gemeinderat geführt. Aber der Bund kann nicht den Leuten sagen, was für sie richtig ist. Das wäre nicht schweizerisch. Die lokale Bevölkerung muss selbst zur Überzeugung kommen. Ich hoffe deshalb, dass die Gemeindebehörden und der Kanton die Bevölkerung überzeugen können. Denn beim Gornerli geht es nicht nur um zusätzliche Wasserkraft für die Schweiz. Es geht auch um die lokale Wasserversorgung und um den Hochwasserschutz. Diese Argumente muss letztlich die lokale Politik vermitteln.