Strassenlärmsanierung: positive Entwicklung, aber noch grosser Handlungsbedarf

Bern, 04.02.2020 - Seit dem Inkrafttreten der Lärmschutz-Verordnung (LSV) vor 30 Jahren konnten fast 270 000 Personen vor Strassenlärm geschützt werden. Zwar wurden die Anstrengungen in den vergangenen zehn Jahren verstärkt, aber es bleibt noch viel zu tun: Nach wie vor sind mehr als eine Million Menschen in der Schweiz übermässiger Belastung durch Strassenlärm ausgesetzt. In Zukunft muss der Schwerpunkt noch stärker auf Massnahmen zur Lärmminderung an der Quelle gelegt werden. Zu diesem Schluss gelangt die Erhebung 2018, welche das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am 4. Februar 2020 veröffentlicht hat.

Die Erhebung des Bundesamts für Umwelt (BAFU) gibt Aufschluss über die bereits realisierten und die noch vorgesehenen Massnahmen, deren Wirksamkeit sowie die notwendigen finanziellen Mittel. Bis Ende 2018 sind über 4,3 Milliarden Franken für den Schutz vor Strassenlärm eingesetzt worden oder werden in sehr naher Zukunft investiert. Der Gesamtaufwand wird auf 6 Milliarden Franken geschätzt.

Mehr Sanierungen in den vergangenen zehn Jahren

Dank der Einführung der Programmvereinbarungen im Jahr 2008 und der verstärkten Unterstützung durch den Bund für die Lärmsanierung von Kantons- und Gemeindestrassen wurden bedeutende Fortschritte erzielt. Zwischen 2008 und 2018 haben sich die kantonalen Investitionen verzehnfacht, und die Zahl der geschützten Personen ist ebenfalls deutlich gestiegen. Bis 2012 wurden jährlich rund 5000 Personen bei durchschnittlichen Kosten von ungefähr 9000 Franken pro Kopf neu geschützt. Ab 2013 konnte die Zahl der jährlich geschützten Personen auf etwa 20 000 Personen pro Jahr erhöht werden. Die durchschnittlichen Kosten sanken auf rund 6000 Franken pro geschützte Person.

Investitionen in die Lärmverminderung an der Quelle

32 Prozent der für die Lärmsanierung von Kantons- und Gemeindestrassen vorgesehenen Mittel wurden für Massnahmen zur Lärmverminderung an der Quelle eingesetzt, beispielsweise für lärmarme Strassenbeläge, Verkehrsberuhigungen oder Geschwindigkeitsreduktionen. 21 Prozent der Gelder flossen in Massnahmen zur Lärmminderung auf dem Ausbreitungsweg wie Lärmschutzwände oder -dämme. Auf den Einbau von Schallschutzfenstern - eine Massnahme, die in Ausnahmefällen zum Tragen kommt, wenn Lärmminderungen an der Quelle oder auf dem Ausbreitungsweg nicht möglich sind - entfielen immerhin 39 Prozent der von den Kantonen und Gemeinden aufgewendeten Finanzmittel.

Entlang der Nationalstrassen wurden vor allem Massnahmen auf dem Ausbreitungsweg umgesetzt (72 % der eingesetzten Mittel). Bezogen auf das gesamte Strassennetz wurden fast 270 000 Personen durch Sanierungsmassnahmen geschützt.

Nach wie vor ungenügender Schutz vor Strassenlärm

Diese Erfolge dürfen indessen nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor Sanierungsbedarf besteht. Noch immer sind mehr als eine Million Menschen in der Schweiz an ihrem Wohnort übermässigem Strassenlärm ausgesetzt. Die gesundheitlichen Folgen können gravierend sein (siehe Kasten).

Es müssen wirksame Schutzmassnahmen umgesetzt werden, damit die Anzahl lärmbelasteter Personen und die damit verbundenen externen Kosten weiter gesenkt werden können. Der Kampf gegen Strassenlärm ist zu einer Daueraufgabe geworden. In Zukunft muss noch stärker auf Massnahmen an der Quelle gesetzt werden, und es sind weiterhin erhebliche Investitionen nötig. Mit der Annahme einer von alt Ständerat Claude Hêche (SP/JU) eingereichten Motion forderte das Parlament den Bundesrat auf, Massnahmen zur Bekämpfung des Strassenlärms zu ergreifen und dazu insbesondere die Gewährung von Bundesbeiträgen im Rahmen von Programmvereinbarungen fortzusetzen. Ein Entwurf für eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen dürfte 2020 in die Vernehmlassung geschickt werden.

Kasten: Übermässiger Lärm kann krank machen
In der Schweiz ist tagsüber jede siebte und nachts jede achte Person an ihrem Wohnort schädlichem oder lästigem Strassenverkehrslärm ausgesetzt. Lärm beeinträchtigt die Lebensqualität und kann krank machen. Ganz abgesehen davon, dass die Konzentration darunter leidet oder die Kommunikation erschwert wird, gerät der menschliche Körper bei jedem störenden Geräusch in Alarmbereitschaft: Er schüttet Stresshormone aus, welche auf lange Sicht die Gesundheit schädigen können (Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Zudem vermindert Lärm die Wohnqualität. 2016 betrugen die externen Kosten des Strassenlärms über zwei Milliarden Franken. Diese Zahl umfasst neben Gesundheitskosten auch Wertverluste auf Immobilien.


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