Kantone auf dem Weg zur Umsetzung der Agenda 2030

Ittigen, 05.11.2019 - Neunzehn Kantone haben an der Erhebung 2019 des Cercle Indicateurs, des Indikatorensystems der Kantone und Städte zur Messung der nachhaltigen Entwicklung, teilgenommen. Erstmals werden dabei die Beiträge der Kantone mit ausgewählten Zielen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verknüpft.

Die Ergebnisse der Erhebung des Cercle Indicateurs wurden in diesem Jahr zum ersten Mal mit bestimmten Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Agenda 2030 der UNO verglichen. Die Agenda 2030 bildet den Orientierungsrahmen für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz. Die diesjährige Erhebung des Cercle Indicateurs zeigt, dass die Kantone hinsichtlich der nachhaltigen Entwicklung einen guten Leistungsausweis vorweisen können. Die Gegenüberstellung mit den SDGs macht indes deutlich, wo bei der Umsetzung der Agenda 2030 noch Handlungsbedarf besteht.

Arbeit: generell gute Leistung, Rückstand bei Innovationen

In Bezug auf das SDG 8 zu Wirtschaftswachstum und menschenwürdiger Arbeit stehen die Kantone bei der Arbeitsproduktivität und der Qualifikation der Bevölkerung gut da. Dagegen stagniert der Anteil der Arbeitsplätze in innovativen Branchen bei durchschnittlich 27 Prozent. Ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erfordert jedoch die Schaffung von Arbeitsplätzen in innovativen Sektoren.

Politik: Partizipation zu gering

Die durchschnittliche Beteiligungsquote, ein Schlüsselindikator für die Demokratie, hat bei den eidgenössischen Wahlen und Abstimmungen die Marke von 50 Prozent seit Beginn der Nullerjahre nie überschritten. Der Frauenanteil in den kantonalen Parlamenten variiert zwischen 14 und 38 Prozent und in den Regierungsorganen (Exekutive) zwischen 0 und 60 Prozent (2018). Diese Werte sind noch weit entfernt vom Ziel der Gleichstellung der Geschlechter, das SDG 5 anpeilt. Die Beteiligung an Wahlen, Abstimmungen und politischen Entscheidungen zu fördern, ist Gegenstand des SDG 16. Dieses Nachhaltigkeitsziel fordert unter anderem, dass Entscheide partizipatorisch und repräsentativ gefunden werden.

Landökosysteme: mehr wertvolle Naturräume und Siedlungsflächen

Die Fläche der wertvollen Naturräume ist über alle Kantone hinweg gewachsen und erreicht im Durchschnitt 8 Prozent der Kantonsfläche. Das ist eine positive Entwicklung im Hinblick auf das SDG 15 zum Leben an Land. Allerdings dehnen sich auch die Siedlungsflächen immer mehr aus und zwar hauptsächlich auf Kosten der Landwirtschaftsflächen. Um die natürlichen Ökosysteme zu erhalten und den Verlust an Biodiversität zu stoppen, müssen die Kantone ihre Anstrengungen zum Schutz der Naturräume fortsetzen und die Ausbreitung der Siedlungsflächen begrenzen.

Dank der Verknüpfung der SDGs mit den Ergebnissen der Erhebung des Cercle Indicateurs konnten die Fortschritte bei der Umsetzung der Agenda 2030 in den Kantonen verdeutlicht werden. Eine Überarbeitung des Cercle Indicateurs ist ab 2020 geplant. Dabei ist vorgesehen, unter anderem die SDGs stärker einzubeziehen.

Cercle Indicateurs
Das nationale Netzwerk Cercle Indicateurs wurde 2003 geschaffen. Getragen wird es von den Bundesämtern für Raumentwicklung (ARE) und Statistik (BFS) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) sowie Kantonen und Städten. Der Cercle Indicateurs dient dazu, die Nachhaltigkeit der Entwicklung von Kantonen und Städten zu messen und zu vergleichen. Er umfasst rund 30 Indikatoren aus den Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Rund zwei Drittel der Daten stammen aus der Statistik des BFS, ein Drittel wird dem BFS von den Kantonen und Städten zur Verfügung gestellt. Seit 2019 sind die Indikatoren in Cluster von Daten eingebettet, welche die von den Indikatoren vermittelten Informationen ergänzen. Die Kantone erheben ihre Indikatoren alle zwei Jahre, die Städte alle vier Jahre. Die Erhebung 2019 umfasst die Daten von 19 Kantonen, wobei der Kanton Glarus zum ersten Mal teilgenommen hat.
Folgende Kantone haben teilgenommen: AG, AR, BE, BL, FR, GE, GL, LU, NE, SG, SO, SZ, TG, TI, UR, VD, VS, ZG und ZH. Die erwähnten Daten beziehen sich auf die teilnehmenden Kantone.

Die Agenda 2030 und ihre Ziele für nachhaltige Entwicklung
Im Jahr 2015 verabschiedete die Schweiz die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung als Orientierungsrahmen für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung auf nationaler Ebene. Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) und ihre 169 Unterziele bilden das Kernstück zur Agenda 2030. Sie berücksichtigen die wirtschaftliche, die gesellschaftliche und die umweltbezogene Dimension der nachhaltigen Entwicklung.


Adresse für Rückfragen

Maria Stoll, wissenschaftliche Mitarbeiterin Sektion Nachhaltige Entwicklung, Bundesamt für Raumentwicklung ARE,
Tel. 058 484 92 45, maria.stoll@are.admin.ch



Herausgeber

Bundesamt für Raumentwicklung
http://www.are.admin.ch

https://www.uvek.admin.ch/content/uvek/de/home/uvek/medien/medienmitteilungen.msg-id-76920.html