Erinnerung als Brücke

Bern, 27.01.2017 - Botschaft von Bundespräsidentin Doris Leuthard zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, 27. Januar 2017

Am 27. Januar, dem 72. Jahrestag seit der Befreiung von Auschwitz-Birkenau, gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus. Auschwitz steht heute symbolisch für die vielen Menschen, die in den zahlreichen Konzentrationslagern in Europa gelitten und ihr Leben verloren haben. Die wenigen Überlebenden, oft psychisch und physisch lebenslang durch ihre schrecklichen Erfahrungen gezeichnet, liessen sich an verschiedenen Destinationen nieder, unter anderem auch in der Schweiz.

Viele mussten feststellen, dass ihre Familie die Verfolgung nicht überlebt hatte. Der Verlust von Angehörigen und Bekannten ist ein weiteres Trauma, mit dem viele Holocaust-Überlebende zu kämpfen hatten. Die seelischen Narben gehen tief und das Schweigen über die Gräueltaten der Nationalsozialisten zu brechen, dazu bedurfte es oft Jahrzehnte. Der Mut, sich mit den Traumata noch einmal auseinander zu setzen, verdient unseren grössten Respekt.

„Ich erzähle diese Geschichten auch für meinen Enkel, für meine Freunde und für alle, die etwas über den Holocaust von gestern wissen wollen, und für alle, die den Holocaust von morgen stoppen wollen.“

Diese Zeilen stammen von einer Überlebenden des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, Elisabeth Sommer-Lefkovits, die in der Nachkriegszeit in die Schweiz kam. Sie veröffentlichte ihre Erinnerungen an die Verfolgungen, die ihre Familie erleiden musste, im Jahr 1994 und ist kurz danach verstorben. Seither sind zahlreiche Memoiren von Überlebenden erschienen, die sich mit dem Holocaust auseinandersetzen. Genau am heutigen Tag wird in Bern eine neue Edition von Erfahrungsberichten von Holocaustüberlebenden präsentiert, illustriert von Gerhard Richter.

Mit jedem Jahr schwinden die Chancen für jüngere Generationen, Berichte von Überlebenden aus erster Hand zu hören. Angesichts der vielen Tragödien, die sich auch heute in der Welt ereignen, droht das Andenken an den Holocaust in den Hintergrund zu treten. Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust soll zeigen, dass wir die Millionen Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen und wachsam bleiben, dass sich ähnliches nicht wiederholt.

Die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), die 1998 gegründet wurde, dient ebenfalls diesem Ziel. Die Schweiz ist seit 2004 Mitglied und wird dieses Jahr den Vorsitz der IHRA übernehmen. Dabei will die Schweiz ihren Fokus auf Projekte richten, die Zeugnis von den Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden ablegen und auch durch neue Medien vermittelt werden, die speziell jüngere Menschen ansprechen. Durch den Vorsitz der IHRA möchte unser Land dazu beitragen, die Erinnerung an die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes an der jüdischen Bevölkerung, an Roma, Sinti und an anderen Minderheiten zu erhalten. Dadurch soll eine Brücke zwischen „Damals“ und „Heute“ geschlagen werden.

Minderheiten sind ein wichtiger Bestandteil der kulturellen und gesellschaftlichen Vielfalt der Schweiz. Das verpflichtet uns, die Augen offen zu halten. Denn der heutige Tag soll uns auch daran erinnern, dass Erfahrungen von Marginalisierung, Rassismus und Antisemitismus immer noch für zahlreiche Menschen zum Alltag gehören. Für die Schweiz zählen Werte wie Freiheit und Rechtssicherheit, Gleichberechtigung und Toleranz zu ihrem Selbstverständnis - und diese Werte sollen für alle Teile der Bevölkerung gleichermassen gelten.


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